Ein kurzes Telefonat mit Speedy J
Mute
Anlässlich der Veröffentlichung von Loudboxer am 3. 6. 02 bei Novamute (nomu93) rief der PARTYSAN kurz bei Speedy J in Rotterdam an.
Nach zwei Alben bei Novamute, Public Energy No 1 (1997) und A Shocking Hobby (1999) bin ich natürlich gespannt und auch etwas vorbelastet in meinen Erwartungen.
Verspielt, experimentell, aufregend waren seine beiden Alben, so dass sie gerade jetzt, wo die Love Parade den oft gehörten Vorwurf des totalen Mainstreams wohl erneut provozieren wird, die Stereoanlage zu Hause besetzen. Wie wird nun Loudboxer klingen?
Dreht Speedy J wiederum ab?
Überrascht er uns erneut?
Auf seine Weise ganz sicherlich, denn die Platte klingt erstaunlich straight und wird niemanden, der tanzen will, zum Straucheln bringen.
Speedy will damit etwas Neues probieren, er verarbeitet Live- Erfahrungen und erfüllt den Wunsch vieler, nach mehr tanzbaren Stoff. Simpler, mehr Dance orientiert... Speedy hat erst mal genug vom Experimentellen und reduziert sich auf das Wesentliche: eine harte Techno- Wand, etwas humorlos, aber wirkungsvoll.
Dennoch, wenn Speedy auf die Tanzfläche hinarbeitet, ist er natürlich Lichtjahre vom gemeinen Trillerpfeifenraver entfernt.
Mit der Love Parade hat er keine Erfahrungen, kennt sie nur aus dem Fernsehen. Doch in Deutschland hat der DJ aus den Niederlanden oft aufgelegt. Und er wurde sehr gut aufgenommen, unnötig auf die große Gefolgschaft Speedys hinzuweisen. Genau wie in Berlin, ist Techno auch in den Niederlanden sehr populär.
Speedy sieht die Differenzen zu England oder Frankreich, fasst Techno in Europa aber dennoch als ähnlich zusammen. Etwas ganz Anderes, Ungewohntes gebe es vielmehr in Asien zu hören!
Natürlich interessiere ich mich auch über seine Zusammenarbeit mit Mute. Es fällt etwas schwer, dabei nicht in Andacht zu verfallen; das Label ist doch schlicht und einfach das interessanteste weltweit!
Seit fünf Jahren veröffentlicht Speedy J bei Mute und beschreibt es treffend als Firma mit den Möglichkeiten eines Majors, aber mit dem Herzen eines Indies. Passion & love finden sich bei Mute, Enthusiasmus und Ideale- hier sind Musiker am Werk und keine Marketing- Strategen.
Schadenfroh beobachten wir, wie die großen Firmen mit ihren konzipierten Produkten echte Probleme bekommen; wie sie mit jeder Robbie Williams- Platte neue Scheiße produzieren! Aber da gibt es ja zum Glück noch die Guten: Mute, die mit Moby locker acht Millionen umsetzen und dabei auch noch Kunst produzieren!
Doch mein schöner Gegensatz wird durch die Nachricht aufgelöst, dass Mute von EMI übernommen wird, wobei Daniel Miller Geschäftsleiter bleibt.
Eine Frage ganz zuletzt, wie er sich den idealen Club vorstellt, amüsiert ihn; hart und auf das Wesentliche reduziert, mit einem dicken Globus in der Mitte!
Wir sehen schon, Speedy J liebt derzeit keine Extravaganzen.

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